Frei gemacht

Obwohl ich seit über einem Jahrzehnt bewusst Christin bin und unzählige Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden, Bewegungen und Denominationen besucht habe, kann ich nicht sagen, ich hätte die Vielzahl unter ihnen genossen. Genossen im Sinn von ‚zufrieden mit etwas sein‘, ‚den kostbaren Moment auskosten‘ , ‚etwas geht runter wie Öl‘, sich wohl und frei fühlen.

Ganz im Gegenteil: Es gab viele Gelegenheiten, in denen ich aus einer frohen sonntäglichen Stimmung durch Lobpreis und Gottesdienst niedergedrückt wurde. Beim Hinaustreten aus dem jeweiligen Gebäude stellte sich oft ein Gefühl von Erleichterung ein.

Mit dieser Art der Ehrlichkeit möchte ich nichts und niemanden schlechtreden. Ganz im Gegenteil: Selig, wer die meisten seiner besuchten Gottesdienste und Versammlungen in vollen Zügen genossen hat. Mit allen, die sich wie ich oft fragen, ob ihr gottesdienstliches Unbehagen ihrer asozialen Grundeinstellung, Stimmungsschwankungen oder sonstwie ungünstig gelagerten Persönlichkeitsstrukturen geschuldet sind, möchte ich meine Offenbarung des Tages teilen, in der Hoffnung, wir alle fangen an, unseren Herrn, seine Gegenwart und dementsprechend auch seine Gottesdienste von Herzen zu genießen.

Die Vielzahl der besuchten Gottesdienste nicht genossen zu haben ist ein trauriges Resümee finde ich. Die meiste Zeit habe ich gedacht, es liegt an meiner Persönlichkeitsstruktur (Unwohlsein in engen Menschenmassen), meinen Vorlieben Gott zu begegnen (vielleicht begegnet Gott mir anders?).

Falsch: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit, sagt das Wort Gottes.(2.Kor.3,17) Hier steht nicht: Wo der Geist des Herrn ist, fühlen sich alle bedrückt und angespannt. Dies gilt im Gottesdienst, so wie in anderen Situationen.

Freiheit ist etwas gänzlich Gutes, Erstrebenswertes, Lebensspendendes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Gefangener, dem Freiheit angeboten wird, dankend ablehnt. Ich meine die Freiheit, die Gott seinen Liebsten schenken möchte, Freiheit, die aufatmen lässt, die frei macht, so zu sein, wie wir in Gottes Augen längst sind. Befreit von allem, was uns davon abhält, Gott, uns selbst und den Nächsten zu lieben. Freiheit, die Lust auf Leben macht und unsere Liebesfähigkeit vergrößert.

Diese Freiheit verspricht Gott dir. Die Bedingung: Sein Geist muss da sein. Diese Freiheit gilt für jeden und jede, Zeit und Unzeit, Alltag und Gottesdienst.
Ich schließe aus miesen Erfahrungen nicht, dass die meisten Gottesdienste, in denen ich war, schlecht geplant, schlecht gemeint oder schlecht ausgeführt waren. Es ist nicht meine Aufgabe dies zu beurteilen. Ich gebe nicht anderen die Schuld daran, wenn mir die Freiheit fehlt.

Als ich das letzte Mal im Lobpreis einfach nur mies drauf war, hatte ich genug: Ich betete mit zwei anderen. Mit allen verfügbaren Sprachen, laut und leise, sagten wir Gott, dass wir Lust darauf hatten, dass seine Gegenwart regiert, den Raum übernimmt, und dass der Geist uns freimacht. Danach war die Situation völlig verändert: Einer von uns bekam einen Lachflash, ich hatte plötzlich Spaß am Lobpreis, die Dritte im Bunde hatte das Gefühl endlich atmen zu können. What a day. Manche um uns herum schauten irritiert, pikiert oder verständnislos (vielleicht auch neidisch). Mir hat Gott jedenfalls gründlich gezeigt, dass ich lieber wegen meiner Freiheit komisch angeschaut werden möchte, als angesehen, aber unfrei durchs Leben zu gehen.

Der Herr ist Geist und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit, steht im Korintherbrief. Und weil er in dir lebt, ist die Freiheit ganz nah.
Wir können Atmosphären verändern, wir können Freiheit bringen, den Himmel öffnen. Jetzt und hier. Durch unsere Worte, Gebete, durch die Verkündigung und Proklamation des angebrochenen Königreichs. Anders hat es Jesus auch nicht gemacht.



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5 Antworten zu “Frei gemacht”

  1. jawoll, nehmt das Land ein !!!

  2. JA. Atmosphären verändern…

  3. …Freiheit bringen, … Himmel öffnen…;
    -
    DAs sind sehr große Worte. – Ist der Mensch dazu in der Lage, so leicht, so unbedingt (hier und jetzt) wie es in deinem Text anklingt? -Ohne dass es bei Worten allein bleibt? -Hat Jesus es nicht anders gemacht – denke ich? V e r f ü g t der Mensch über Atmosphären, Freiheit, Himmel? Verfügte Jesus darüber?

    Ich habe keine gefällige(leichte) Antwort; Wollte meine Gedanken, die sich mir beim Lesen Deines Text auftun, mit Euch teilen.
    HAns

    • Ja, Jesus lebte unter einem offenen Himmel (Joh 1,43-51) und wir dürfen es auch :)

      • Joh 1,43-51: Die Verheißung an die Nachfolger Jesu. Die Verheißung des “offenen Himmels” wird im Johannesevangelium den von Jesus Berufenen zuteil, das künftige Gottesreich jetzt erfahrbar – soweit einverstanden.

        Ich habe eher die Frage ob es machbar ist, ob der Mensch darüber verfügen kann, wie es im Schlussteil Deines Textes anklingt.

        Bei Johannes ist es eine Verheißung.
        Hans

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