Getting lost
Was wir am meisten brauchen, klingt paradox: Uns verlieren. Ich habe ein wunderbares Lied gehört mit dem Text ‚Getting lost in the gaze of your eyes‘ (Sich verlieren in dem Blick Deiner Augen). Dieser Text ist die Kurzzusammenfassung eines unbeschreiblich glücklichen Zustandes. Der Psalmist sagt dazu: Von allen Seiten umgibst du mich. Wie Wasser, in das du eintauchst, es umgibt dich von allen Seiten und du fühlst dich schwerelos.
Das, was wir unsere Persönlichkeit, unsere Werte und Überzeugungen nennen, ist oft nicht mehr als eine Ansammlung verkrusteter, alter Schichten von wiederholten Sätzen. Vielleicht kennst du das Gefühl gelangweilt von deinen eigenen Gedanken zu sein. Weil sich immer alles im Kreis dreht. Vielleicht kennst du das Gefühl, nichts bewegt sich. Stillstand, Unbeweglichkeit.
Von Zeit zu Zeit lege ich mir eine Heilerde-Maske auf. Soll gut für die Haut sein. Der Schlamm trocknet dabei auf der Haut an. Das Gefühl mit festgetrocknetem Schlamm im Gesicht ist höchst seltsam: Ich traue mich kaum zu lachen, weil meine Haut nicht richtig zu bewegen ist. Sie ist verkrustet, unbeweglich, starr geworden. Genauso wie die beliebten und doch tödlichen „ich- war- halt- schon- immer- so –Aussagen“ oder die „das- lag- mir- noch- nie-Sätze“..
Entschuldige den unschönen Ausdruck- Scheiß drauf, was dir „noch nie lag“, bild‘ dir nichts drauf ein, wenn du deine Agenda auswendig aufsagen kannst. Vielleicht ist es eine falsche Sicherheit, in der du dich wiegst.
Ich kann sagen: Das Beste, was mir passiert ist, nach einem langen Tag von negativem Gerede und besorgten Planungen war mich in seiner Gegenwart zu verlieren. Das ist wie Reboot. Zurück zum Startpunkt: Er und ich, sonst niemand. Auge in Auge.
Stell dir vor, du bist Strandgut und wirst von liebvollen, kräftigen und unaufhaltsamen Wellen bewegt, auf und nieder wie eine Wiege, davon, weg von hier. Weggeschwemmt an die Ufer Seiner Herrlichkeit.
In Seiner Liebe verloren zu gehen ist ein Gefühl, wie wenn Luft an die eingesperrte Haut kommt, Licht an die dunklen Kellergemäuer in dir. Leben, wo Muff war. Wenn der Staub aufgewirbelt wird, wird etwas Neues sichtbar. Du, rein und heil wie Er dich gemacht hat. Alles Entscheidende, was du über dich wissen musst, liegt in Seinem Blick.Getting lost in the gaze of your eyes.
Im Blick Seiner Augen verloren zu gehen, ertrinken in einem Gewässer, das größer als du, deine kleine Welt und das weite Universum ist. Nicht um verloren zu gehen, sondern um gefunden zu werden. So wie wirklich bist. Keine entstellenden Masken, kein einzwängender Panzer. Ein Gefühl, wie wenn sich mein Hund schüttelt, um unliebsame Nässe loszuwerden. Runter mit dem Schmutz, allem was dich beschwert.
Der beste Rat, den dir jemand geben kann: Verlier dich. Nicht im Nichts, sondern in Ihm. Freier kannst du in diesem Leben nicht werden.
Zur praktischen Umsetzung: Such dir einen Platz, wo du bequem sitzen oder liegen kannst. Stell dir angenehme (Lobpreis-)Musik an, falls dir kalt ist, deck dich mit etwas zu. Denke einfach nur über einen Satz nach: Er liebt mich. Geb nicht auf, wenn dir alle möglichen anderen Sachen durch den Kopf gehen, bleib dran an diesem einen Satz. Bleib (mindestens)solange in Seiner Gegenwart bis du dich schwere-los fühlst. Dann bist du an dem Ort, an den Du gehörst.
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15. April 2010 







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