Sünde- Wolkenbruch oder Regenzeit?

Manchmal hört es sich so an, als sei Sünde eine Art Wolkenbruch, der plötzlich und unerwartet über unvorbereiteten Spaziergängern hereinbricht. Wie eine Wolkenbruch unvorhergesehen, überraschend, unangenehm.

„Ich konnte mich nicht mehr beherrschen. Der Zorn kam über mich.“ „Ich konnte nicht anders. Ich musste es tun.“

Tatsächlich?

Der Schreiber des Johannesbriefes scheint in einem anderen Selbstbewusstsein gelebt zu haben. Mutig formuliert er: „Wer aus Gott geboren ist, der bewahrt sich selbst und der Böse tastet ihn nicht an.“ 1. Joh. 5,18b
Die aus Gott Geborenen sind befähigt, sich selbst zu bewahren. Da es in den vorhergehenden Versen um Sünde geht, meint dieser Vers die Bewahrung vor Sünde.

Wer sich auf diese Weise zu bewahren weiß, braucht den Bösen nicht zu fürchten: Der Böse darf die Gotteskinder weder berühren, noch über ihre Gefühle herrschen, geschweige denn ihr Leben durcheinander bringen oder ihren Weg zerstören.

In einer Stelle aus dem Jakobusbrief (4,8) heißt es: „Widersteht dem Teufel, dann flieht er von euch!“ Aktiver Widerstand statt Ergebung ist hier gefragt. Wir sollen uns sträuben den Einflüsterungen des Feindes zuzuhören und anstatt dessen Worte des Glaubens aussprechen. Dann können wir zusehen, wie der Feind vor uns wegläuft.

Sowohl der Johannesbrief als auch der Jakobusbrief gehen nicht davon aus, dass die Sünde (oder der Böse) über uns hereinbricht wie ein Wolkenbruch. Verschiedene Schritte gehen dem Einbruch des Bösen voraus:
Zunächst gehen beide Schreiber von der Existenz des Bösen aus. Sie sind sich seiner Versuche die Gerechten zu attackieren bewusst.

Damit die Angriffe des Bösen landen können, braucht es einen Gerechten, der keinen Widerstand leistet, ein Gotteskind, das sich nicht selbst bewahrt. Dies kann aus unterschiedlichen Gründen geschehen:
Vielleicht wissen wir nicht, dass wir uns selbst bewahren können.

Vielleicht denken wir auch, nicht dazu in der Lage zu sein, das Böse abzuwenden.
Vielleicht auch: Hoffentlich erwischt mich der Feind nicht. Hoffentlich bin ich nicht zuhause, wenn der Dieb kommt. Hoffentlich verschont er mich. Auf diese Weise verkriecht man sich, zieht sich in seine (angenommene) Schwäche zurück und hofft unbeschadet aus dem Kampf zu kommen.

In einem Haus, dessen Bewohner verreist, versteckt oder verängstigt sind, hat der Dieb leichtes Spiel. Bevor ein Einbrecher ungeschoren eindringen kann, braucht es ein Haus mit unbeobachteten Schwachstellen.
Sünde ist weniger ein unerwarteter Wolkenbruch als eine lange angekündigte Regenzeit. Die Wolken müssen sich zusammenziehen und dunkel werden, bevor es blitzt und donnert und schüttet.

Zorn muss erst mal in deinem Herzen landen, sich heimisch machen und deine Gedanken erfüllen, bevor du aus Wut andere Menschen anschreist, Gegenstände durch den Raum schmeißt oder menschenverachtende Worte ausstößt. Ein Zornausbruch mag Anderen plötzlich und unerwartet erscheinen, Gott hat schon vor langer Zeit gesehen, wie du Wut und Verbitterung in den dunklen Ecken deines Herzens eingemauert hast. In einem sanftmütigen Herzen haben Zorn und Wut schlechte Karten. Sie fühlen sich in einem Klima der Barmherzigkeit und Güte nicht wohl.

Weder die Schreiber des Johannesbriefes noch die des Jakobusbriefes gehen davon aus, dass „den aus Gott Geborenen“ kein Fehler mehr unterläuft. Vielmehr ermutigen uns ihre Worte, selbstbewusst die Verantwortung für unser geistliches Wohl und unsere Lebensführung zu übernehmen.

Sünde kann uns nur dann wolkenbruchartig überfallen:
-wenn wir uns nicht im Klaren über den Zustand unseres Herzens sind
-wenn wir uns nicht in Gottes Licht stellen
-wenn wir unsere Gefühle nicht ehrlich vor Gott bringen
-wenn wir unverheilte Wunden vor Gott und den Menschen verstecken

Dann schaffen wir ein sünde-freundliches Klima, welches dem Bösen Angriffsflächen bietet, um uns zu einem Zeitpunkt der Schwäche zu belagern.

Wer sein Lebens-Haus vor feindlichen Dieben schützen möchte:
-reflektiert seine Gefühle und seine Entwicklung
-betet und redet ehrlich mit Gott und Menschen
-hält ‚hässliche Flecken‘ in Gottes Licht
-befiehlt Gott seine Wunden an

Dann werden wir erleben, was uns im Johannesbrief verheißen wird: „Wer aus Gott geboren ist, der bewahrt sich selbst und der Böse tastet ihn nicht an.“

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2 Antworten zu “Sünde- Wolkenbruch oder Regenzeit?”

  1. Das erinnert mich an etwas, was ich mal bei Andrew Wommack gehört habe. Er sagt von sich:

    “Ich bin ein Mensch und als solcher bin ich zu allem fähig. Mord, Totschlag, Ehebruch, Betrug. Das alles könnte auch ich tun. Aber nicht JETZT SOFORT, und auch nicht morgen! Damit ich solche Dinge überhaupt erst tun kann, müsste ich in einem Prozess zunächst mein Herz gegenüber Gott, den Dingen Gottes, verhärten”.

    In einer anderen Predigt arbeitete er (natürlich anhand der Bibel) heraus, dass man mit gar nichts versucht werden kann, woran man nicht denkt, worüber man nicht nachsinnt. Also weigert er sich aktiv über bestimmte Dinge nachzudenken (z.B. über Ärgerliches).

    Denn wie Du schon in “Du fährst in die Richtung, in die du siehst!” http://www.alexundlinda.de/2009/12/22/du-faehrst-in-die-richtung-in-die-du-siehst/ geschrieben hast: das, worauf du schaust, worüber du nachsinnst, wird groß werden.

    Grüße,
    Roman

  2. Großartiger Artikel – sehr sehr treffend. Wir müssen am Landeplatz für Sünde arbeiten… darf ich diesen Artikel in unserem Gemeindebrief abdrucken??

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