Du fährst in die Richtung, in die du siehst!
Gestern in der Fahrstunde sagte der Fahrlehrer: Wenn du ein Hindernis umfahren willst und das Hindernis dabei ansiehst, fährst du zielsicher dagegen. Oder umgekehrt: Wenn du ein Hindernis umfahren willst, musst du den Fluchtpunkt vor Augen haben, damit du daran vorbeifahren kannst. Diese Aussage ist nicht nur bedenkenswert, sondern kann sogar Leben retten. Ich finde es darüberhinaus nützlich, zu wissen, wie unser Gehirn funktioniert. Es hilft zu verstehen, warum man sich so verhält, wie man sich verhält. Und warum Dinge so ausgehen, wie sie ausgehen. Du fährst in die Richtung, in die du siehst. Nicht nur beim Autofahren.
Es gibt Menschen, die beim Gedanken an zukünftige Dinge den Misserfolg bereits ‚in Farbe‘ vor sich sehen. Indem Du dir deinen Misserfolg farbenfroh ausmalst, siehst du unentwegt auf das Scheitern. Das ist nicht nur deprimierend, sondern auch folgenschwer: Indem du dich innerlich schon auf den ‚Aufprall‘ vorbereitest, entgeht dir wertvolle Zeit, in der du Phantasien in Bezug auf einen guten, erfolgreichen Ausgang deiner Geschichte hättest entwickeln können. Ähnlich wie ein Autofahrer, der vor dem drohenden Zusammenstoß die Hände ins Lenkrad krallt und den ganzen Körper anspannt, so stehst du vor deinem Leben: Festgekrallt und angespannt vor dem drohenden Zusammenstoß. Du siehst auf das Hindernis und fährst voller Furcht schwungvoll dagegen. Obwohl du genau das nicht wolltest. Du hast versäumt, den ‚Fluchtpunkt‘ zu fokussieren. Doch das wäre deine Rettung gewesen.
Manchmal scheitern wir deshalb, weil wir keine Vorstellung von einem erfolgreichen, glücklichen Ausgang einer Sache haben. Uns fehlt schlichtweg die Phantasie um das Notwendige zu tun, damit eine Sache gut ausgehen kann. Wer keine Vorstellung davon hat, wie er/sie eine Beziehung führen möchte, stellt mitunter fest, dass es ihm/ihr tatsächlich nicht gelingt eine Beziehung zu führen. Wenn du keine Vorstellung von einer glücklichen Freundschaft hast, wird es dir schwer fallen, Phantasie zu entwickeln, diese zu pflegen. Wenn du nicht weißt, was Karriere für dich bedeutet, dann fällt es dir schwer, (notwendige) Schritte wie Fortbildung oder Jobwechsel, in Angriff zu nehmen. Wenn du keine Vorstellung davon hast, wie du deinen Tag gestalten willst, wirst du dich treiben lassen, von dem Wind, der gerade am stärksten weht. Wenn du keine Vorstellung von einem guten Leben hast, wird es dir schwer fallen, es gut zu leben.
Die Reihe der Beispiele ist lange fortsetzbar. Stell‘ dir am besten eines vor, das für dich gerade wichtig ist. Dann überlege: Bin ich jemand, der das Hindernis fokussiert oder stelle ich mich-indem ich den Fluchtpunkt fokussiere- darauf ein, das Hindernis zu umfahren?
Bring dich in die Position, in der du das Hindernis umfahren kannst. Positionierung ist ein aktiver Vorgang! Hefte deinen Blick fest auf den Fluchtpunkt. Hefte deinen Blick darauf, wie dein Leben, deine Karriere, deine Ehe, deine Freundschaften und was immer dich sonst betrifft, gut ausgehen können. „Jage allezeit dem Guten nach“(1.Th.5,15)! Lass dich nicht von Misserfolgen, schlechtem Gerede und den Erfahrungen anderer Menschen von deinem ‚Fluchtpunkt‘ ablenken. Die Gefahr ist zu groß, dass du gegen das Hindernis fährst!
Versteh‘ mich nicht falsch: Ich weiß, dass weder du noch ich das ganze Leben in der Hand halten. Es gibt Hindernisse, die kommen, ohne dass wir Zeit hatten, sie zu sehen.
Ich rede hier über den Spielraum –das weite Land-, das Gott dir zu Füßen gelegt hat. Damit du es bebauen, darüber herrschen und fruchtbar sein kannst. Denn genau das ist deine Bestimmung laut Schöpfungsauftrag.

22. Dez, 2009 







Sehr interessanter Text.