Gottes Reich?

Habe gerade ein neues Kapitel aus Bobby Connors Buch „God’s supernatural power“ gelesen. Bin über einen Satz gestolpert-zum Glück- und möchte mit euch meine Gedanken teilen. Connor schreibt über das Reich Gottes. Der Begriff des Königreichs taucht über 150mal im Neuen Testament auf, ist insofern berechtigt als ein Zentralbegriff des Evangeliums zu bezeichnen.

Die meisten Kinder wünschen sich „ihr eigenes Reich“. Einen Ort, an dem sie in Ruhe und Selbstbestimmung leben, lachen und Spaß haben können. Manche bauen sich zu diesem Zweck Baumhäuser, andere finden ein Versteck in einem unbenutzten Tunnel, wieder andere können ein eigenes Zimmer samt Höhlenkonstruktion ihr „Reich“ nennen. „Mein Reich“ bedeutet soviel wie: Hier kann ich machen was ich will. Hier stört nichts und niemand. Hier regiere ich.

Das Königreich Gottes ist dort, wo Er das Sagen hat. Wenn wir beten „Dein Reich komme“ bedeutet das soviel wie „Du sollst regieren“. Das Reich Gottes ist an der Herrschaft und Präsenz Gottes zu erkennen. Es ist deswegen nicht auf bestimmte Orte oder Situationen oder Menschen festgelegt, weil es an allen Orten, in allen Situationen und Menschen vorgesehen ist. Reich Gottes ist da, wo Gott regiert.

Wenn im Matthäusevangelium steht „trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“, dann ist damit gemeint, dass unser ganzes Leben danach trachten soll, dass Gottes Geist uns, andere Menschen, jeden Ort und jede Situation beherrscht. Bis dieser Zustand nicht erreicht ist, besteht kein Grund zum Nachlassen: Solange Gott nicht überall und von allen als der König angebetet wird, sollen wir nach seinem Reich, seiner Herrschaft „trachten“. Damit ist die (praktische) Ausrichtung von Herz, Verstand und Geist auf das Königreich gemeint.

Es macht eben einen entscheidenden Unterschied, ob ich meine erste Aufgabe darin sehe, nach Gottes Reich zu trachten, oder ob ich zuerst meine Arbeit, Hobbies oder andere Dinge erledige, um dann Gottes Reich zu suchen. Wenn alle Gedanken und Gefühle, jede Handlung und jeder Bereich unseres Lebens von Gottes Herrschaft durchdrungen ist, „fällt uns alles Andere zu“. Dann zeugt jeder Gedanke, jedes Tun vom Königreich Gottes und seiner Gerechtigkeit. Alles fällt uns als das Beste (=im Sinne Gottes) zu. Wenn wir versuchen die Dinge selbstständig zu ordnen und in Griff zu kriegen, packen wir das Problem nicht an der Wurzel: Das Problematische an Dingen, Situationen und Zuständen ist die fehlende Herrschaft Gottes. Dieses Problem kann nur durch die Herrschaft Gottes behoben werden. Jede Aussichtslosigkeit weicht, sobald Gott die Herrschaft übernimmt.

Connor schreibt, dass Jesus die am stärksten auf eine Sache fokussierte Person jemals war: Alles, sein ganzes Denken, Handeln und Leben war auf die Herrschaft Gottes ausgerichtet. Es ging ihm um nichts anderes. Keine eigene Agenda, keine Fremdbestimmung, keine Sklaverei, sondern in allen Dingen suchte er die königliche Herrschaft Gottes auszubreiten. Dieses Bestreben drückt er in Heilungen und in Predigten, in stillen Gebetszeiten genauso wie am Kreuz, als Jugendlicher genauso wie als Auferstandener aus. Jesus nimmt in den Begegnungen mit Menschen und Orten genau wahr, inwieweit Gottes Herrschaft bereits angebrochen ist. Z.B. zeugt die Begegnung mit Kranken und Besessenen davon, dass das Fehlen der Herrschaft Gottes Jesus zur Aktion herausgefordert hat.

Die Beispiele, mit denen im Neuen Testament das Reich Gottes verglichen wird, haben eine Gemeinsamkeit: Das Anbrechen von Gottes Herrschaft beginnt im Unsichtbaren, woraus Veränderungen im Sichtbaren resultieren. Denken wir an den Vergleich mit dem Sauerteig, dem Senfkorn, der Erklärung „das Reich Gottes ist inwendig in euch“ oder „das Reich Gottes ist mitten unter euch“. Es handelt sich um Anfänge im Kleinen, unsichtbar für den „ersten Blick“ und doch entscheidend für den Ausgang der Geschichte.

Gottes Liebe, Weisheit und Güte sollen herrschen, überall, zu jeder Zeit und in jedem Menschen. Ein großes Ziel, das größte. Und die beste Aussicht, die ein Mensch haben kann. Königlich.



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