Ein Zuhause zum Mitnehmen

bibelIch habe mich vor einigen Tagen mit meiner Freundin über „Zuhause fühlen“ am Telefon unterhalten. Dabei habe ich festgestellt, dass ich seit Jahren in Wohnungen lebe, in denen ich mich nur partiell zuhause fühle. Ein Gefühl von „hier könnte ich mindestens zehn Jahre bleiben“ hatte ich in den letzten 15 Jahren nie. Natürlich frage ich mich, ob diese Zeit noch kommen wird -was ich derzeit hoffe- oder ob ich immer (mehr oder minder) fühlen werde, in einer ‚vorübergehenden Behausung‘ zu leben.
Nach dem Telefonat erinnerte ich mich auch an ein literarisches Kolloquium, an dem ich im Rahmen meines Studiums an der Kirchlichen Hochschule Bethel (Bielefeld) teilnahm. Damals im Wintersemester 1999/2000 hatte ich ziemlich deutlich das Gefühl nicht zuhause zu sein. Das literarische Kolloquium bei Prof. Stählin war eindeutig den wenigen Highlights dieser Zeit zuzurechnen.

Eines Abend fragte er bei der Besprechung eines Gedichtes von Hilde Domin: „Gibt es etwas, das für Sie ein Stück Heimat ist, das sie mitnehmen können?“ Ich erinnere mich genau, was ich damals sagte. Die Bibel, das Wort Gottes, ist für mich eine Art ‚tragbares Zuhause‘. Ein Stück Zuhause, das ich bei meinem Umzug mitnehmen konnte. Die Bibel war nicht nur tragbar, sondern erwies sich auch als tragfähig. Ich hatte damals nicht nur meine Gemeinde und wertvolle Freundschaften hinter mir lassen müssen, sondern auch große Teile meines Vertrauens in Gott verloren, umso mehr wusste ich die Bibel zu schätzen.

Auch heute noch finde ich die Vorstellung in Gottes Wort so stark verwurzelt zu sein, dass sich ein ‚Zuhause-Gefühl‘ einstellt, nicht nur schön, sondern auch höchst erstrebenswert. Ich genieße es, wenn mir beim Beten die Worte fehlen, Ausschnitte aus den Psalmen beten zu können, einfach so, weil diese Worte in mir sind. Ich genieße es festzustellen, dass mir zu den meisten Lebenssituationen biblische Gestalten oder eine Geschichte von Jesus einfällt, weil ich dann merke, dass diese Szenen mit meinen Erfahrungen korrelieren. Dieses Verhältnis zur Bibel war nicht ungebrochen so innig.

Nach fast zwei Jahre andauerndem Desinteresses an der Bibel und dem Gefühl „Ich-kenn‘- ja-eh-schon-alles“, bin ich vor allem durch Wochenendbibelschulen bei ‚Gnade & Gerechtigkeits-Ministries‘ wieder hungrig auf Gottes Wort geworden. Durch die Wochenend-Bibelschulen sah ich plötzlich andere und neue Möglichkeiten die Bibel zu verstehen, ich konnte eingeschränkte Sichtweisen und uralt verwurzelte schädliche Bibelauslegungen ablegen und eine neue Erfahrung von Evangelium im Wortsinn (griechisch-„ gute, frohe Botschaft“) machen. Ich habe gelernt, dass Desinteresse an Gottes Wort nie ein gutes Zeichen für meinen geistlichen Zustand ist.

Es ist allerdings ein Zustand, der sich verändern lässt. Durch einseitige Betrachtung und Auslegung können wir blind für die befreiende Wirkung von Gottes Wort werden. Kein Wunder dass Paulus um ‚erleuchtete Augen des Herzens“ betet, unsere Sinne können nämlich abstumpfen und fühllos werden, z.B. dadurch, dass wir immer wieder dasselbe hören und denken. Für viele Christen scheint sich das Wort Gottes eher wie ein zwängender Kerker, eine brüchige Bude oder wie ein langweiliger Abend auf einem durchgesessenen Sofa anzufühlen. Das entspricht nicht der Absicht des Autors.

Vielleicht befindest du dich gerade in einem solchen Zustand. Vielleicht ist dein Bibelverständnis etwas eingefahren. Vielleicht brauchst du eine neue Perspektive auf das Buch der Bücher? Falls deine Bibellektüre eintönig geworden ist und die Predigten, die du hörst, den Blick auf die frohe Botschaft verstellen, setz‘ dich mal bewusst mit den Brillen auseinander durch die du das Wort Gottes liest. Das Wort Gottes ist seit jeher schärfer als jedes zweischneidige Schwert, wenn die frohe Botschaft nicht bei dir ankommt, liegt es folglich nicht an Gottes Wort, sondern an dem verstellenden Blick darauf. Damit die Bibel dein Zuhause werden kann, ist das Zutrauen notwendig, dass sie eine frohe Botschaft bringen möchte. Glaubst du, dass Gottes Wort gesandt ist um dich zu retten, Leben zu ermöglichen, freizumachend und dich aufzubauen? Bibellektüre und –auslegung sollten sich rettend, lebensspendend, befreiend und aufbauend auf dein Leben auswirken. Andernfalls kann von Evangelium keine Rede sein.

„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“ Luk. 4,18f



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  1. Coole Predigt
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1 Antwort zu “Ein Zuhause zum Mitnehmen”

  1. Schöner Beitrag – Sehe ich genauso ;)

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