Was mein ist, ist dein
„Du bist allezeit bei mir, was mein ist, ist dein“, sagt der Vater zum Sohn.
Ich habe wieder einmal das Gleichnis vom Verlorenen Sohn gelesen und dieser Satz hat mich besonders angesprochen. Dieser Satz gilt mir und dir, wenn du ein Gotteskind bist. Das Drama des älteren Sohnes, der am Hof des Vaters geblieben ist: Er lebte in einem Umfeld von Reichtum und Fürsorge ohne sie für sich in Anspruch zu nehmen, ohne sich an den Gütern des Vaters zu erfreuen. Erst als ein Fest zu Ehren des zurückgekehrten jüngeren Sohnes veranstaltet wird, wird dem Älteren klar, wie reich sein Vater ist. Gleichzeitig ärgert er sich über die Großzügigkeit des Vaters. Er selbst hat anscheinend weder solche Festtage noch solche Kostbarkeiten geschmeckt.
Als Leserin habe ich mich immer gefragt, warum es ihm so schlecht am Hof seines offensichtlich großzügigen und liebevollen Vaters geht. Offensichtlich sind die Gründe dafür nicht beim Vater, noch den mangelnden Gütern, noch in anderen Anwesenden am Hof zu suchen. Der Grund für das Gefühl zu kurz gekommen zu sein, ist in dem älteren Sohn selbst zu suchen. Er hat nicht der Liebe seines Vaters Glauben geschenkt, sondern anderen Stimmen in ihm. Der Ankläger hat ihm wirkungsvoll eingeredet, dass ihm die Herrlichkeiten seines Vaters nicht zustehen und dass er weniger wert ist als der Jüngere. Er drückt Bereuen für die vergangenen Lebensjahre aus: Trotz eines reichen Umfeldes scheint es ihm an Freude und Fülle gemangelt zu haben. Ärger über das Fest zu Ehren des jüngeren Bruders sprudelt aus ihm hervor: Wenn ich das Leben hier nicht genossen habe, dann sollen Andere es auch nicht tun.
Auch grundsätzliche Fragen kommen zum Ausdruck: Bin ich es überhaupt wert die Güter meines Vaters zu genießen? Bin ich ihm überhaupt so wichtig wie mein Bruder? Es wirkt als ziehe sein Leben vor seinem inneren Auge an ihm vorbei, ein Leben des Mangels und der Entbehrung, aber auch der Pflichterfüllung und Treue. Vielleicht fragst du dich auch wie ich, weshalb er dann überhaupt geblieben ist und Jahr um Jahr seine Arbeit verrichtet hat, wenn es allem Anschein nach nicht sonderlich erfüllend war. Es wirkt so, als habe er versucht das Richtige zu tun und den vermuteten Erwartungen seines Vaters zu entsprechen. Es wirkt auch so, als hätten sie weder über ihre Bedürfnisse noch ihre Zufriedenheit gesprochen.
Fest steht, es hätte nicht so weit kommen müssen… . Ein Moment des Innehaltens (bin ich zufrieden mit meinem Leben am Hof?), ein Moment der Reflexion (was sind meine tiefsten Bedürfnisse?) und ein Moment der Ehrlichkeit mit den Vater (Vater, ich komme zu dir, weil …) hätten sein Leben am Hof in ein neues Licht getaucht.
Manchmal brauchen wir eine neue Offenbarung der Liebe und der Güter unseres Vaters wie der ältere Sohn. Das Schöne ist: Weder die Liebe noch die Reichtümer Gottes sind begrenzt. Im Epheserbrief heisst es In Ihm sind wir mit allen himmlischen Segnungen gesegnet. Mir ist es schon oft so ergangen, wenn ich mit Menschen zusammen war, die voll Begeisterung von ihrer Vision sprechen oder die sichtbar angefüllt von Gottes Herrlichkeit sind. Z.B. in Lobpreiszeiten, wenn alle völlig hingegeben Gott loben und ich plötzlich merke, dass gar kein Lob in mir ist. Solche Momente sind eine Chance: Statt trübselig in Neid zu versinken kannst du dich neu an die überströmende Liebe Gottes für dich erinnern und neu in Anspruch nehmen, dass sein Reichtum auch dir gehört. „Was mein ist, das ist dein.“
Neidisch sein kann nur der, der Angst hat, zu kurz zu kommen. Am Hof des Vaters sind solche Ängste nicht angebracht: Offensichtlich herrscht dort keine Knappheit. Der Vater ist willens auch dir einen Festtag auszurichten und dir nicht nur das Nötigste, sondern Freude in Fülle zu schenken. Ich bete für „erleuchtete Augen des Herzens“, die sich nicht sattsehen können an den Gütern, die Gott dir zur Verfügung stellt. Weil du sein Kind bist.
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25. Aug, 2009 







Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!
Ich erkenn mich wieder. Man sieht Andere, die die kostbaren Geschenke Gottes auspacken, und tut es selber nicht! Und ist dann frustriert..
Es ist wirklich das Entscheidende, seinen Wert in Gottes Augen zu erkennen und dann aus Seiner Liebe zu leben!
Ich freu mich sehr, dass es Menschen in Deutschland gibt, die von ganzem Herzen ehrlich Gott suchen und wahrhaftig sind.
Eure Beiträge haben echt Weisheit und sind in (der) Liebe (Gottes) geschrieben! Und unterscheiden sich meilenweit von allem religiösen Gelaber, was man heutzutage durch die Kirche und deren Mitgliedern angeboten und vorgelebt bekommt!
Seid echt ermutigt, ihr seid ein Segen mit eurer Homepage!