Gebahnte Wege?

wayWir sind vor drei Tagen nach Speyer gefahren. Während der Autofahrt las ich Psalm 84. Ein Psalm, den ich kenne und liebe. Seitdem ich nach 11 (!) Jahren Lutherbibel lesen auf Schlachter 2000 umgestiegen bin, werde ich vermehrt überrascht von Gottes Wort.
Dabei fiel mir besonders eine Wendung in Vers 6 auf:
„Wohl denen, in deren Herzen gebahnte Wege sind!“ Gebahnte Wege?

Ich mag es gerne über (sprachliche) Bilder nachzudenken.
Du kannst heute mitkommen auf diese Gedanken-Reise…
Die Bahnung eines Weges beginnt bei einem Bedürfnis. Jemand braucht einen Weg um von einem Ort zu einem anderen Ort gehen zu können. Daraus erwächst der Wille eine gangbare Straße zu schaffen. Vorsätzlich entsteht ein bestimmter Weg. Wer einen Weg bahnt, weiß wo dieser hinführen soll.

Gebahnt ist ein Weg, wenn ein Stück Wildnis freigeräumt und begehbar gemacht worden ist. Jemand hat sich an die Arbeit gemacht. Sträucher und Steine beiseite geräumt, Gras und Erde geebnet. Eine feste Umrandung des Weges geschaffen, damit nicht Unkraut und Geröll die neue Straße überwuchern. Während ungebahnte Wege wild und willkürlich gewachsen sind, setzt ein gebahnter Weg eine Arbeit am Weg voraus, die es hernach erleichtert diesen Weg zu gehen. Die Bearbeitung, Kultivierung und Anpassung an die Bedürfnisse der Gehenden braucht Zeit.
Wenn im Psalm die Rede von „gebahnten Wegen in unserem Herzen“ ist, stellt sich die Frage, wer diese Bahnung vornimmt: Wir selbst? Gott? Andere, dritte Faktoren?

Ich muss dabei an eine Geschichte von Andrew Wommack denken, die er erzählte, um seinen ZuhörerInnen zu erklären, wie es dazu kam, dass er mehrfach Tote auferweckt hat. Wommack berichtet dabei von Wochen und Monaten, in denen er exzessiv die Totenauferweckungen in der Bibel studierte. Er beschäftigte sich so lange mit Totenauferweckungen, bis er nachts davon träumte. Als sein Sohn verunglückte und seine Frau ihn anrief, um ihm mitzuteilen, wo der Tote lag, erschien es Wommack, der bereits tausendmal den ‚Weg‘ der Totenerweckung in seiner Vorstellung gegangen war, selbstverständlich für eine Auferweckung zu beten. Den vorbereiteten Weg beschritt er zielstrebig, indem er begann im Angesicht des Verstorbenen Gott zu loben und ihm dann zu befehlen aufzustehen. Der Sohn schlug die Augen auf und war lebendig. Wommack hatte diese Szene, was in einem Todesfall zu tun sei, so oft ‚durchgespielt‘, dass es selbstverständlich für ihn war um eine Auferweckung zu beten. Ein drastisches Beispiel, keine Frage. Dennoch. Wahr und herausfordernd.

Ein gebahnter Weg ist mehrfach begangen worden, zunächst in Gedanken, dann abgemessen, freigeräumt und schließlich befestigt worden. Die Bahnung wird weder alleine von dir, noch alleine von Gott oder sonst jemandem vorgenommen. Sie geschieht in dem Zusammenwirken von dir, Gott und anderen Faktoren, z.B. Menschen und Situationen. Es ist Gott, der dir bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten geschenkt hat, es sind andere Menschen, die dich bestätigen und ermutigen, es können bestimmte Situationen sein, die dich herausgefordert haben, es bist du, der oder die sich auf Gottes Impulse einlässt.

Auf gebahnten Wegen kommt man nicht nur leichter und schneller voran, die Wahrscheinlichkeit das Ziel zu erreichen ist bei einem gebahnten Weg entschieden größer als bei dem Versuch sich durchs Gebüsch zu schlagen. Gebahnte Wege eröffnen eine Perspektive, sie sind auf ein Ziel ausgerichtet. Gebahnte Wege erleichtern dir das Vorankommen, sie helfen dir auf dem Weg zu bleiben.

Gott möchte uns nicht auf unvorbereiteten Wegen dahinstolpern lassen, sondern dass unsere Füße festen Schrittes sicher voranschreiten.
Häufig fühlen sich Wege fremd und mühsam an, weil ihnen keine Kultivierungsarbeit vorausgegangen ist. Häufig bleiben wir nicht auf eingeschlagenen Wegen, weil keine Befestigung des Weges vorgenommen wurde.
Alex und ich treffen Entscheidungen gerne schnell. Das ist gut so, wenn Entscheidungen den gebahnten Wegen in uns entsprechen. Es ist nicht gut, wenn Entscheidungen aus Ungeduld und mangelnder Selbstreflexion getroffen werden. Dann kann von ‚gebahntem Weg‘ keine Rede sein. Dann ist es eher der Versuch das Ruder an sich zu reißen. Im Sinn von: „Ich habe keinen Bock mehr zu warten (oder nachzudenken), ich mach‘ jetzt einfach etwas.“ Dabei übergehen wir schnell Gottes Willen und unser eigenes Geworden-Sein.
Gute Entscheidungen beruhen auf gebahnten Wegen des Herzens.
Gebahnte Wege haben eine Geschichte. Das, was sicher Wirklichkeit werden soll, braucht eine Zeit der ‚Anbahnung‘.

Die spannende Frage: Welche Wege bahnen sich in deinem Herzen an? Welche Wege eröffnen sich im Zusammenwirken von Gott, dir und deinem Surrounding?

„Wohl denen, in deren Herzen gebahnte Wege sind! Wenn solche durch das Tal der Tränen gehen, machen sie es zu lauter Quellen, und der Frühregen bedeckt es mit Segen. Sie schreiten von Kraft zu Kraft.“ Psalm 84,6ff



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2 Antworten zu “Gebahnte Wege?”

  1. Du solltest Andachtsbuecher veroeffentlichen! Wow. Viel Tiefgang und Sinn und sehr ermutigend. DANKE!

  2. Jepp, sehr geil! Danke!

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